jooki
Größenwahn ersten Ranges

3 Kommentare | 24.01.2012 | Jokey Joke, Religiöse Feelings |

[youtube width=“500″ height=“290″]http://www.youtube.com/watch?v=BPErPIU0at0[/youtube]

Gut gebrüllt Michael Schmidt-Salomon, aber wie lässt sich dieser „Größenwahn einer Spezies“ erklären? Ist es nicht der von Herden und Einzeltieren innerhalb dieser Spezies gegen einander betriebene Größenwahn, der das Ganze dann problematisiert?

Religion scheint mir als pfiffiger psychologischer Komplex. Religiöse Erzählung gilt hier und heute erstmal als etwas Privates und indviduell sehr Schönes und Kritik eine stressiger Prozess der Auseinandersetzung. Ein ganz archetypisches Problem der menschlichen Kultur, mit Begeisterung Ja sagen, fällt leichter als ein kritisches Nein.

A Story with Benefits: das ewige Leben, die Wiedergeburt und ein sorgender und sinnstiftender Gottpapa nur als Paradebeispiel. Empirische Hinweise oder nur den kleinsten Anhaltspunkt für die Existenz solch übernatürlicher Phänomene fehlen naturgemäß. Umso bohrender die Frage – wozu die menschliche Beharrlichkeit bedingungslos zu glauben, was nicht glaubwürdig ist?

Dabei ist die Antwort ebenso verführerisch schlicht. Ich lege dazu mal die Bibel weg und nehme ein Spiderman Comic zur Hand. Es entwirft eine Welt voll mit einfach strukturierten Problembären und der Spinnenmann liefert funktionierende Haudrauf-Lösungen. Nenn es „Fantasy“ oder „Fiction“, das wird sich reingezogen, weil’s gefällt und mit rasanter, opulenter Einfachheit besticht. Natürlich werden moralische Werte transportiert, den „mit Großer Power kommt auch große Verantwortung“. Vielmehr wird hier ein Weltbild gezeichnet, dass eine Abweichung zur Realität darstellt, indem es nur für Menschen funktioniert, die über Hochhäuser springen können und zum Glück realisiert das weitestgehend jeder Spiderleser.

Irrwitzig Idee, etwas für wahr zu halten, nur weil es gut gefällt? Realität als Geschmacksfrage nachdem es noch nicht mal mehr Indizien gibt?
Den Menschen fehlt schlicht die emotionale und kritische Distanz zu Ihrer religiös geprägten Weltanschauung.

Kniff dieses psychologischen Pfiffs ist schlicht – was sich im Alltag beispielsweise als gut gelaunter, harmloser Jesuswahn darstellt, aus dessen gemeinschaftlichem Exzess „Wir unsere Identität“ schröpfen, wird auf gesellschaftsübergreifender Ebene zur Grundlage für den kulturellen Clash der Zivilisationen. Die im Privaten unserer Gesellschaft zelebrierte, individuelle Religiösität, entfaltet ihren problematischen Charakter, sobald jemand wie George Walker Bush, sich für einen wiedergeborenen Heilsbringer der Christen hält, mit besten Absichten von Millionen Amerikanern gewählt und dann fängt der plötzlich an im Irak in wenigen Jahren 130.000 Zivilisten wegmetzeln, ein bloody Bodycount für den Saddam Hussein mindestens 600 Jahre alt hätte werden müssen.

Dieser Krieg war in der Herbeiführung wie in seinen Folgen geopolitischer Unsinn und hatte seinen fusste in der USweit grassierenden evangelikalen Überlegenheitshybris. Oder nehmen wir die Sunniten und Schiiten, die sich nun in dem zerschossenen Land an die Gurgel gehen? Was sorgt bei Isrealis und Palästinensern womöglich für jahrzehntelange Konfliktunfähigkeit oder zwischen orthodoxen Serben, römisch-katholischen Kroaten und muslimischen Kosovaren auf dem Balkan, deren Konflikte man hierzulande gerne als ethnisch betrachtet, allesamt leben Sie in einem religiös definierten oder begründeten Nationalismus oder Konfessionsnationalismus und damit hätten wir auch die zentralen Konfliktherde der letzten Zeit abgeklappert.

.. der Text ist natürlich bis auf weiteres ein fragment.. zumindest muss ich mal was essen! Küsschen und bis später…

3 Gedanken zu „Größenwahn ersten Ranges

  1. j

    was ich wirklich spannend finde, ob wir es auch ohne religion schaffen würden fremdenfeindlich zu sein? es ist ja sehr unwahrscheinlich, dass verschiedene religionen der grund für konflikte sind, sie sind meist nur mittel und begründung (weil religion halt ein klares gemeinschaftsmerkmal ist).
    .
    ich bin mir aber sicher, dass es auch in einer welt ohne religion immer noch hetzer geben würde, die „die anderen“ aufgrund ihres aussehens, ihrer gewohnheiten, ihrer traditionen etc. angreifen würden. religion macht das halt nur dankbar einfacher.

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  2. jookiel jocho

    Gute Vorlage, „Religion“ versteht sich natürlich als ebenso Gemeinschaftsstiftend, wie Wahrheitsstiftend. Wahrheitsorientierte Gemeinschaft schließt dummerweise die Falsche der Andersdenkenden aus.. oder sie degradiert ihre Wahrheit zur Geschmacksfrage und löst sich Stück für Stück auf (an diesem absurden Punkt sind „wir“ gerade). Mein Interesse an Religion rührt einzig daher, wie urtypisch dieser Glaube an die Überlegenheit eigenen Wahrheit logischer Weise auch Glaube an die Unterlegung anderer sein muss. Hitler war nicht religiös aber er hat den Religionsunterricht eingeführt und die Story von Jesus ist nicht 2000 Jahre alt geworden, weil er einfach so’n netter Kerl war, sondern weil man sie im Römischen Reich zur Staatsreligion gemacht hat, da Leute die immer die zweite und dritte Backe hinhalten besser zu regieren sind. Über eine Welt ohne Religion wirst du weiter spekulieren müssen. Eher hängt sich die Menschheit an ihrem Hirnknoten aus Fantasy-Zeiten auf als dass es ihr gelingt diesen zu enttüdeln.

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