Soziale Ungleichheit und Gesundheit

1 Kommentar | 15.01.2014 | Fakten Fakten Fakten, Politics, Tous les Crêpes |

Dradio hat gerade einen sehr hörenswerten Vortrag zu meinem Lieblingsthema Soziale Ungleichheit veröffentlicht und der hat wieder ordentlich Referenzen zu good old Pierre Bourdieu, dem Papst auf diesem Gebiet. Dieses Mal geht es um die Gesundheit der Menschen in Abhängigkeit zu ihrer Lage im sozialen Raum. Und welch Überraschung: Wer arm ist, lebt ungesünder. Aber dass der Umstand, dass man im untersten Zehntel der Bevölkerung lebt, dazu führt, dass man im Durchschnitt neun Jahre! früher als ein Artgenosse aus dem obersten Zehntel stirbt, ist schon krass. In Deutschland wohlgemerkt. In Schweden sind es „nur“ zwei Jahre.

Entscheidend ist, wie groß die Einkommensspreizung einer Gesellschaft ist. Arme sterben in Deutschland neun Jahre früher als Reiche. An dieser Ungleichheit anzusetzen, wäre eine politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die fanatische Fokussierung auf das vermeintlich gesunde Leben könne sogar dazu führen, dass die Unterschiede noch größer werden!

Ganz nebenbei wird auch noch auf den Umstand hingewiesen, dass sich diese Entwicklung in den letzten zehn/fünfzehn Jahren in Deutschland noch gehörig verschärft hat, die Schere also weiter und weiter auseinader geht. Aber das Wissen wir ja. Ein unfassbarer Skandal bleibt es trotzdem. Und was wichtig ist, der Redner macht klar, dass es nicht darum gehen kann, der Unterschicht die Chipstüte aus der Hand zu reißen. Wer über deutlich weniger Ressourcen verfügt, lebt auch in einer anderen Lebenswelt und über diese sollte man sich im Klaren sein, wenn aus priveligierter Lage und mit Beißreflex die ungesunde Lebensweise angeprangert und als individuelles Versagen abgetan wird.

 

Ein Gedanke zu „Soziale Ungleichheit und Gesundheit

  1. jooki

    Hey Hal, danke für das Feature! Konnte erst jetzt durchhören.
    folgendes Event, im Anschluss gibt’s noch ne zümpftige Podiumsdiskussion für uns.. Vielleicht hast mal wieder Lust nach Braunschweig zu kommen:

    Soziologie ist ein Kampfsport – Pierre Bourdieu im Porträt, Mi 30. April 2014, 19.00 Uhr Universum Kino Braunschweig, Regie: Pierre Carles | F 2001 | 140 Min. | OF mit dt. Untertiteln

    1993 rief der französische Soziologe Pierre Bourdieu dazu auf, eine neue »Internationale der Intellektuellen« zu gründen, um den tiefgreifenden sozialen Veränderungen Einhalt zu gebieten, die der Neoliberalismus mit seinen neu entfesselten Ökonomien als Errungenschaft der »besten aller möglichen Welten« ausgab. Leidenschaftlich stritt Bourdieu für eine Emanzipation, dafür, sich nicht entmündigen zu lassen und sich für die eigenen Interessen zu organisieren. Im Sinne
    Foucaults griff er die übrig gelassene Aufgabe der Aufklärung wieder auf. Der Film beschreibt die Arbeit eines Wissenschaftlers, der die Praxis sucht.

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