1984 here we come again

Kein Kommentar | 26.01.2009 | Ideologies, Tous les Crêpes |

Nach der (erstmal) erfolgreichen Verhinderung des Telekom-Pakets im letzten Jahr, die hauptsächlich einer im letzten Augenblick aufgeschäuchten »Blogsphere« und damit einer großen Verbreitung in der (Netz-)Öffentlichkeit und somit großen Druck auf das EU-Parlament beruhte,  habe ich so ein ganz bischen den Glauben an das politische System wiederbekommen und habe mich grad wieder betätigt indem ich meinen Abgeordneten im Europäischen Parlament geschrieben habe:

Guten Tag,

ich schreibe Ihnen heute um Sie auf die Abstimmung bezüglich des sog. Medina-Reports hinzuweisen, die wahrscheinlich am 2. Februar stattfinden soll.

Es geht hierbei um die Urheberrechtsgesetzgebung und wie auch schon im letzten Jahr sollen Maßnahmen beschlossen werden die erschreckend sind: Unter anderem geht es wieder um die »Three strikes«-Politik (Personen soll nach dreimaligem negativen Auffallen durch z.B. illigale Downloads die Internetverbindung gekappt werden), Inhaltszensur, das Miteinbeziehen von Providern bei der Jagd nach illigalen Inhalten und einer weiteren Einschränkung des geltenden Copyrights in der z. B.  Wissensökönomie (http://www.laquadrature.net/en/copyright-dogmatism-ridiculously-strikes-european-parliament).

Ich gehöre als Kommunikationsdesigner zu den Medienschaffenden, zu denjenigen also, deren Werke das Copyright eigentlich schützen soll. Doch das heute geltende Copyright ist im digitalen Zeitalter schon lange nicht mehr zeitgemäß und Bedarf einer Öffnung und nicht wie es vom Report vorgeschlagen wird einer weiteren Einschränkung, dies wäre ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Der Kampf gegen illigale Downloads ist ein nicht zu gewinnender, die Medienindustrien müssen sich endlich dieser Wahrheit stellen und den aussichtlosen Kampf um die Wiedergewinnung ihrer ehemaligen Monopole aufgeben.
Alle bisher auf diesem Gebiert getroffenen und diskutierten Maßnahmen führen nur zu einer Einschränkung meiner persönlichen Freiheit und meiner Privatsphäre, die weder von mir als Medienschaffenden noch als Bürger gutgeheißen werden können. Die Maßnahmen führten nicht zu einem besseren Schutz meiner Werke.
Kreativität und Kultur werden nicht durch Überwachung gefördert sondern durch den freien Austausch von Wissen und Inhalten. Fortschritt entsteht nicht durch Beschränkung.

Ich möchte Sie hiermit bitten gegen den Medina-Report zu stimmen, und ein Zeichen zu setzten hin zu einem freien und offenen Umgang mit Wissen und Kultur.

Vielen Dank,

Wer es mir gleichtun will bekommt bei abgeordnetenwatch.de sehr schnell raus, wer seine Abgeordneten im Europäischen Parlament (und im Bundestag) sind und kann sich auch darüber informieren, wer wie abgestimmt hat. Um die E-Mailadressen zu bekommen kann man leicht über eine Scroogle-Suche auf die jeweiligen Seiten der Politiker gelangen.

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