8 Gedanken zu „Daily Privilege Check

  1. jooki

    In ihrer Summe find ich die Ansagen aus dem ersten video nochn bisschen mau. „So how is the percentage of white people in korean movies actually?“
    Und wie groß ist die Zahl an Menschen, die sich Solarium, Bräunungscremes und Hautkrebs besorgen weil sie gerne Mal etwas Farbe ins Gesicht kriegen wollen? Ohne dem Herren im zweiten Video seine Argumente madig machen zu wollen, ich würde seinen gesunden Teint jederzeit gegen meine kränkliche Blässe tauschen, aber lieber noch würde ich aussehen wie Glenn von Walking Dead, aber ich kann meine Schönheitsideale vermutlich nicht verallgemeinern.
    Mir bleibt die Frage, wie viel von diesen Schönheitsidealen brutalstmöglich auf oktruiert ist und wieviel aus freien Stücken adaptiert wird. Dieser „Kulturimperialismus“ funktioniert ja auch unter käsebleichen Europäern, die allesamt amerikanische Sprache und Kultur cool finden und adaptieren. Auch hier scheint mir viel aus einer unterwerfungspsychologischen Veranlagung im Menschen heraus zu passieren. Als überlegen empfundenen, weil dominanten Habitus von sich aus als erstrebenswert zu finden – sowas in der Art muss da noch hineinspielen, denk ich so, wenn ich mich über die globale Schwarmdummheit wundere und warum sich die Menschen und Nationen der übrigen Welt da nicht mehr Emanzipationsvermögen an den Tag legen.

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  2. j Beitragsautor

    „So how is the percentage of white people in korean movies actually?“ Dank des von dir angesprochenen westlichen Kulturimperialismus sehr viel höher als der Anteil von koreanischen Filmen im Westen! Ja, in deiner Frage ging es um Weiße in koreanischen Filmen. Typisches Derailing, das ist ein Video von MTV, es geht da um westliche Medien und – ich gehe mal davon aus, dass du dich auf den Typen, der sich nicht in LotR/Hobbit repräsentiert sieht, beziehst – der lebt nicht in Korea sondern (wahrscheinlich) in den USA. Und da ist er (und alle anderen PoC) halt in den Medien insgesamt einfach unverhältnismäßig stark unterrepräsentiert (und in Fantasy ca. nicht vorhanden).

    Auch der Vergleich von Bleaching und Bräunungsprodukten hinkt finde ich ein bisschen, weil das eine halt ein Trend und das andere institutionalisierter (über Jahrhunderte ausgeübter*) Rassismus ist. Ich hab‘ die Diskussion letzten Mal mit „Ich krieg den Job nicht, weil ich nicht weiß bin“ VS „Ich krieg den Job nicht, weil ich Tattoos/Piercings hab’“ miterlebt, das eine ist Rassismus, mit der die Person leben muss und den sie nicht beeinflussen kann (es sei den halt so ein bisschen mit so gruseligem Bleaching, Augen-westlicher-machen-Operationen etc.), dass andere ist eine Mode-Entscheidung, die von der Person bewusst getroffen wird (auch von PoC). Und sowas funktioniert dann auch in Ländern, wo es erstmal wenig Europär*innen gibt, wie China, weil das Schönheitsideal so drin ist, dass auch Chines*innen dann auch eher Leute einstellen, die diesem „verwestlichen“ Schönheitsideal entsprechen.

    Klar, hat der US-Kulturimperialismus auch negative Auswirkungen auf die deutsche „Kultur“ aber das Verhältnis von Unterdrücker und Unterdrückten ist bei Deutschen und Amis halt nicht ansatzweise so krass wie Westen™ VS Rest der Welt (außer was Geheimdienste angeht! ^_^).

    Ich glaube, dass das erste Video nicht so besonders krass wirkt (ging mir auch so), liegt daran, dass es Comedy ist und mit so kleinen Alltagsdingen (Mikroaggressionen) auf größere Probleme verweist, die im Video nicht explizit genannt werden. Hobbit = Nichtrepräsentation in Medien allgemein. Band-Aid = Make-up-Industrie in der nicht-weiße Hauttöne einfach nicht existieren etc.

    Ich hätte mir beim zweiten Video auch gewünscht, dass er da nochmal ein bisschen mehr drauf eingeht, wie die Verbindungen zwischen Rassismus und Kapitalismus sind aber das ist ein fünf Minuten vielleicht nicht zu machen.

    *es gibt so schöne Stories, dass früher in Indien das Schönheitsideal je dunkler desto schöner war (mit Gedichtbeweisen, die nachtdunkle Schönheit preisen), rate mal, wann sich das ins Gegenteil gekehrt hat?

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  3. jooki

    Yo, wahrscheinlich hab ich auf diesen MTV Style und sich albern verhaltende Schauspieler, so heftig reagiert, ich bin das einfach nicht mehr gewohnt. Inhaltlich ist dem ja grundsätzlich zuzustimmen, aber die Headline gibt schon einen problematischen Grundton vor. Ich will genau so wie jeder andere Mensch nicht auf meine Hautfarbe reduziert werden und deswegen take ich auch nichts for granted. Das Farbige nicht genug Kanonenförmigen Nippes kaufen ist halt irgendwie nicht das Problem und Herr der Ringe mit Afrikanern und Koreanern neu zu verfilmen ist weder die Lösung, noch würde es den Crap besser machen ;). Das ist derselbe Quatsch in bunt, genau wie Jesus weiß darstellen, obwohl er eigentlich Palästinenser gewesen wäre, wenn es ihn gegeben hätte.
    Und wenn sich in mittlerweile absolut souveränen Hightech Volkswirtschaften wie China oder Südkorea die Leute bleachen und sich gegenseitig nur Jobs geben je weißer sie sind ( rassistisch gegen sich selbst? ). Dann hat das natürlich unverkennbare Wurzeln, lässt sich aber für jetzt und die Zukunft noch besser als Konsumterror identifizieren und die strategische Installation falscher Schönheitsideale, hier verkaufen sie den Leuten Bräunungscremes und Solarien. Es bleibt den Armen und Unterpriviligierten aller Länder nur zu wünschen, dass sie sich nicht länger verblöden und gegeneinander hetzen lassen, denn die finale Konfliktlinie verläuft zwischen Arm und Reich und zwar quer durch alle Nationen.

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  4. jooki

    Um den Irrtum zu vermeiden, ich will natürlich das Problem Rassismus nicht klein reden, halte nur den Kapitalismus für das größere, gerade weil er selbst den Rassismus ausbeutet und instrumentalisiert.

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  5. jooki

    Ach Mensch, dass war doch „Der Kaptialismus“ Arte-Doku Folge 1:
    Ausführliche Beschreibung, der Kolonialisierung als Geburtsstunde des Kaptialismus, ein durchstrukturiertes, wirtschaftliches Ausbeutungssystem, dass den rassistischen und christlichen Überlegenheitsmythos als Maskierung und Legitimationsideologie und gebrauchte.

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  6. t001

    Nun auch mein Mostrich dazu:

    Grundsätzlich kann man von so einem kurzen MTV-Beitrag nicht viel erwarten, aber ich fand ihn überraschend gut. Ich hätte es mir oberflächlicher vorgestellt.

    Ich hatte dieses Semester Whiteness: The Power of Invisibility von Richard Dyer (2003) gelesen (6 Seiten hier die PDF [http://www.faculty.umb.edu/heike.schotten/readings/Dyer,%20Whiteness.pdf] ).

    Was für mich in diesem Zusammenhang klar wurde, das man (white-people) immer von anderen Rassen oder anderen Hautfarben ausgehen, aber dabei die „weiße Hautfarbe“ nicht betrachtet wird. Sie wird daduch unsichtbar und wird als Standard definiert. Es ist ein Teil unserer Kultur und damit auch nicht leicht zu erkennen. Das müssen wir dekonstruiert und sichtbar gemacht. Die Sendung heißt sogar Deconstruction und zeigt ein paar Beispiele aus der Gesellschaft.

    @Jooki
    1. Zu sagen, ich will nicht auf meine Hautfarbe reduziert werden (als weißer), führt zu keiner Lösung denn es negiert bzw. ignoriert das Problem.

    2. So mau finde ich die einen Teil der Aussagen gar nicht.

    Zurück zum Beitrag:
    Das Format entspricht den üblichen Youtube / Video Style 10 Dinge die du gesehen haben musst bla. -> es muss einfach dem üblichen Sehgewohnheiten angepasst werden.

    + „Flesh-Colored“ -> man definiert hier ganz klar was „flesh-colored“ ist und wieder ist es white

    – „being bad at math“ dünn.. hätte man besser erklären können

    + die „hair-boundaries“ habe ich jetzt schon x-mal gehört, da kann Eileen bestimmt auch ein Liedchen von singen, kann ich die Haare mal anfassen und ohne abwarten wird da einfach rumgetätschelt..

    ~diese „Gun-Shaped Object Stuff“ den haben wir hier in Deutschland nicht, das ist eher so nen AMi-Ding -> keine Ahnung

    +“Being on Money“ sehe ich als Appell endlich mal nen schwarzen Präsidenten rauf zu nehmen oder auch mal ne Frau auf die 10 Dollar-Bill (https://youtu.be/wytAaOyE7vo)

    +“Being in Lord of the Rings“ – sehe ich auch eher als Kritik an dem Kulturimperialismus der Amis, klar kann man da dem Künstler die Freiheit geben zu casten wen er will, aber man kann es auch als einseitig und nicht mehr zeitgemäß in Frage stellen. Denn erst dann wird sich in Zukunft auch etwas ändern. Gerade bei Fantasy-Filmen gibt es keinen Grund sich auf die weiße Population zu beschränken.

    +“Arguing with Cops“ – Polizei und Hautfarbe gerade in Amerika ein Thema

    -„Being bad at handshakes“ – ?! naja, sehr dünn

    -„Hooded Sweatshirts“ – ?! noch dünner .. also diese beiden hätten sie auch rauslassen können

    -„knowing one language“ – ?! – wenn der Redakteur das Argument nicht ordentlich erklären kann raus damit..

    -„dancing badly“ – dünn ..
    Es gibt keine Abdeckstifte für andere Hautfarben

    Irgend wie zähle ich nur 11 Beispiele. Anyway grundsätzlich finde ich das richtig gut, dass es bei MTV auch angekommen ist. Das lässt hoffen. Es gibt aber noch einiges an Widerstand -> lässt euch mal die Kommentare durch. Fremdschämen garantiert

    Probleme in unserer Gesellschaft würde ich auch nicht in Hierarchie bringen da ist Religion > Kapitalismus > Rassismus > Feminismus. Es geht immer um Macht und Machterhalt.

    Genug von meinem Senf ;P

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  7. j Beitragsautor

    @Olov, jupp, das ist das schöne an Privilegien (zumindest für die Priviligierten) und das größte Privileg ist: sie sind dir nicht bewusst und fallen dir nicht auf (das macht es halt für Menschen, die sich nicht haben, um so schwerer mit dir drüber zu reden).

    Mir ist gestern aufgefallen, dass dieses „Asiat*innen sind gut in Mathe“ ein Ding aus dem Englischsprachigen Raum zu sein scheint. Ich kannte das in Dland nicht so wirklich aber als ich gestern meinte, Sense8 sei auch ein bissl problematisch mit Stereotypen, weil die Asiatin natürlich gut in … Mathe ist! meinte der Gesprächpartner (sie is aber gut in Kampfsport).

    Das mit den Hoodies ist, glaube ich, noch mehr so ein amerikanisches Ding, weil z. B. Trevor Martin, glaube ich, einen anhatte als er erschossen wurde und dann ist es halt nicht mehr weit zu Anschuldigungen mit Ghetto und „Thug“ (das neue N-Wort). Nicht, dass der Bullshit mit der angeblichen kriminellen Vergangenheit nicht auch ohne Hoodie käme … Ich denke schon, dass da was dran ist, wenn du als Weiße*r Hoodie trägst ist das cool und sportlich, wenn du als Schwarze*r/Latinx sowas trägst bist du Ghetto und gefährlich (und nicht im coolen Sinne, sondern du wirst von Bullen erschossen und Menschen imklammern ihre Handtaschen fester, wenn sie dich sehen). Ich denke, dass ist in Dland ähnlich, und da spielt bestimmt ein Haufen Klassimus mit rein.

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